DARC H05

Besuch der Wetterwarte Hasselhorst


Celler Funkamateure besuchen die Wetterwarte Bergen/Hasselhorst

Im September besuchten die Funkamateure des Ortsverbandes Celle den Aerologischen Meßzug der Bundeswehr in Bergen/Hasselhorst gemeinsam mit den Reservisten der RK Hankensbüttel/Dedelstorf.

Technische Einrichtungen ...Bei herrlichem, spätsommerlichem Hochdruckwetter trafen sich die interessierten Teilnehmer am späten Vormittag an der Wetterwarte kurz hinter der Ortschaft Hasselhorst.

Die Gruppe war gemeinsam mit den Freunden der Traditionsgemeinschaft Dedelstorf, bei denen wir während unserer Conteste untergebracht sind, zu diesem Besuch bereits seit längerer Zeit vorangemeldet.

Das perfekte Wetter versprach uns einen ganz besonderen Tag, zumal der Himmel absolut wolkenlos war und kaum ein Lüftchen wehte.

Aufgrund einiger, sehr kurzfristiger Absagen hatten sich nun insgesamt 10 OM's und Kameraden an diesem Samstag eingefunden und pünktlich um 12:00 Uhr klingelten wir am Tor der Wetterwarte.

Der diensthabende Meteorologe Herr Rätz erwartete unsere Gruppe bereits im Verwaltungsbereich des idyllisch gelegenen Geländes.

DARC OV Celle zu BesuchNach einer kurzen Einweisung und einigen grundlegenden Erläuterungen zur Geschichte der Wetterwarte und des aerologischen Meßzuges, der früher eine eigenständige Dienststelle der Bundeswehr war und heute eine Außenstelle mit vorgesetzter Dienststelle in Euskirchen ist, gab Herr Rätz einen ersten Einblick in die vielfältige Technik auf dem Freigelände.

Dort werden u.a. vollautomatisch durch diverse Sensoren die verschiedenen Wetterdaten, wie Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und durch eine Lasereinrichtung sogar die Bewölkung im Nahbereich ermittelt.

Zusätzlich werden von den Bediensteten der Einrichtung ebenfalls regelmäßig optische Kontrollen normierter Punkte in der Umgebung von einem exponierten Standort durchgeführt und protokolliert.

Alle Wetterdaten fließen dann in das zentrale Meßnetz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein und werden, gemeinsam mit den Daten vieler anderer Stationen, in einer Datenbank gespeichert und weiter verarbeitet. Der tägliche Wetterbericht wird dann auf Basis dieser vielen, gesammelten Daten zentral erstellt und an Medien wie Rundfunk, TV und Internet verteilt.

Automatische BefüllstationAber in Bergen/Hasselhorst werden nicht nur diese Daten ermittelt, hier finden auch regelmäßige Radiosondierungen statt, allgemein als "Wetterballons" bekannt.

Dabei wird eine detaillierte vertikale Schichtenanalyse der Luftschichten bis in die Troposphäre erstellt (ca. 35-40km Höhe). Eine an einem mit Helium gefüllten Ballon befestigte Radiosonde wird zu diesem Zweck viermal täglich zu weltweit ebenfalls einheitlichen Zeiten (00Z/06Z/12Z/18Z) gestartet, um dabei vergleichbare Daten an verschiedenen Orten zu gewinnen.

Mit Hilfe einer automatischen Dosiereinrichtung wird dazu ein 800g Latex-Ballon mit 1.800l Helium gefüllt. Diese Menge ist erforderlich, um dem kompletten Gespann aus Ballon und Radiosonde den erforderlichen Auftrieb von ca. 5 m/s zu geben und damit innerhalb von ca. 1h vom Startort bis zur gewünschten Gipfelhöhe die Luftschichten zu durchstreichen und die ermittelten Werte für Temperatur, Taupunkt, Luftfeuchte, Luftdruck und Windrichtung an die Bodenstation per digitalem Datenprotokoll zu senden.

Der Ballon nimmt Form an ...Also ging es zunächst in die Ballonfüllhalle, in der der Ballon startklar gemacht wird. Herr Rätz erläuterte uns, wie auch hier über die vielen Jahre technische Veränderungen und Fortschritte die Arbeit der Meteorologen wesentlich verändert haben.

So wurde früher statt des nichtbrennbaren Heliums noch Wasserstoff zur Befüllung der Ballons verwendet. Dieses, den meisten auch unter dem Namen "Knallgas", aus dem Chemieunterricht gut bekannte Gas ist zwar deutlich preiswerter, aber eben auch sehr viel gefährlicher, da es im Gemisch mit Luft sehr explosiv ist.

Die Ballonhalle ist größer dimensioniert, als heute erforderlich, da früher das Sondengespann erheblich schwerer, und damit die verwendeten Ballons eben auch größer sein mußten, als es für die heute verwendeten, modernen und nur 200g leichten Radiosonden erforderlich ist.

Nach der Vorbereitung des Ballons ging es zunächst zurück in das Gebäude der Wetterwarte, dort wartete die Radiosonde bereits auf ihren Einsatz.


Die Radiosonde VAISALA RS-92SGP

Sowohl bei der Bundeswehr als auch bei den Meßstationen des DWD, die regelmäßig Radiosondierungen durchführen, kommt inzwischen seit ca. 3 Jahren die Radiosonde RS-92SGP des finnischen Herstellers VAISALA zum Einsatz.

Die Radiosonde RS-92 im Detail ...Anhand eines entsprechenden Modells erläuterte Herr Rätz zunächst den Aufbau und die Sensorausstattung dieser Radiosonde, die ungefähr die Größe einer kleinen Seifendose hat und mit 6 Trockenbatterien bestückt für mehr als 2h ihre Daten an die Bodenstation sendet.

Neben den Sensoren befindet sich noch eine quadrifiliare Helixantenne (QFH) an ihrer Oberseite, über die ein interner GPS-Empfänger die Satellitendaten empfängt. Eine kleine Lamda/4 Groundplane für das Funkmodul ragt in Form eines dünnen Drahtes als Sendeantenne an der Unterseite aus dem Gehäuse heraus.

Vor dem Start wird die Radiosonde in einer speziellen Kalibriervorrichtung, dem GC-25 des gleichen Herstellers überprüft, kalibriert und für den Start programmiert. Dabei werden die Sensoren kalibriert, Korrekturwerte in den internen Speicher übermittelt und die Sendefrequenz programmiert.

Die Sonde ist damit nun fast betriebsbereit und beginnt sofort mit der Übermittlung ihrer Daten. Da im Gebäude natürlich noch kein GPS-Empfang möglich ist, sind die Positionsdaten der ersten Datensätze noch fehlerhaft, Temperatur und Luftdruck werden sofort angezeigt.

Das Gespann ist  startklar ...Mit der so vorbereiteten Radiosonde ging es nun zum Startplatz neben der Ballonhalle, dort wird die Radiosonde an einem improvisierten Halter befestigt. Dann wird der Ballon mit einem darunter befestigten, kleinen Fallschirm, der das Gespann aus der Gipfelhöhe wieder zum Boden zurückbringen soll, aus der Ballonhalle geholt und der Fadenabroller der Radiosonde in das Gespann eingehängt und mit etwas Klebeband fixiert, um ein unbeabsichtigtes Trennen des Gespannes während des Fluges zu verhindern.

Hier am Start und bei Bodenluftdruck (Standard 1013.2 hPa) hat der Ballon zunächst einen Durchmesser von ca. 2m, im Verlauf seines Fluges wird er, durch den sich immer weiter verringernden Luftdruck stetig vergrößern. Bereits in 5.000m Höhe beträgt der Luftdruck nur noch ca. 500 hPa und damit gerade einmal die Hälfte des Bodendrucks.

In der Gipfelhöhe des Radiosondenaufstieges bei 35km oder mehr beträgt der Luftdruck dann weniger als 10 hPa und damit nur noch ein Hunderstel unseres Luftdruckes hier am Boden. Der Ballon dehnt sich dort auf einen Durchmesser von ca. 10m aus, bevor das extrem dehnbare Latexmaterial dann bei Temperaturen um -65.0 °C so strapaziert wird, das der Ballon schließlich platzt.

Für die Meteorologen hate die Radiosonde dann ihre Arbeit erledigt und das Gespann kehrt, wenn alles nach Plan klappt, nach einem anfänglichen Sturzflug mit bis zu -50 m/s Fallgeschwindigkeit durch die sehr dünne Atmosphäre, ab ca. 20km dann langsam spürbar durch den Fallschirm gebremst, zur Erde zurück. Bei guter Thermik und wenig Ballonrest kann so ein Segelflug dann noch einmal mehr als eine Stunde dauern, bis das Gespann dann mit 3 bis 4 m/s zur Erde zurück kehrt.

Ein ungefähr 3-stündiger Flug beginnt.Wir schauten nun aber bei herrlichem, wolkenlosem Himmel zunächst unserer gerade gestarteten Radiosonde hinterher und konnten diese auch nach mehr als 15 Min. noch mit bloßem Auge erkennen, immerhin hat sie dann bereits eine Höhe von fast 5.000m erreicht.

Nachdem das Gespann auch für die letzten Kameras aus dem Bereich der Zoomobjektive verschwunden war, ging es zurück in das Gebäude, um dort an der Bodenstation den weiteren Verlauf des Fluges und die korrekte Übermittlung der Daten zu verfolgen.

Am Kontrollmonitor der Bodenstation ist dort die Analyse der von der Radiosonde im Sekundentakt gesendeten Daten detailliert zu verfolgen. Bis zum Gipfelpunkt werden so mehr als 5.000 Meßwerte protokolliert, die ein sehr genaues Abbild der Luftschichten ergeben.

Im Verwaltungsgebäude gab uns Herr Rätz noch einen Einblick in die früheren, sehr interessanten Aufgaben der Bergener Station. So wurden Ende der 70er-Jahre sogar Stratosphärenballons in Bergen gestartet. Diese sehr riesigen Gebilde mußten damals vor dem Aufstieg mit Seilen gesichert, zunächst mit ca. 1.200.000l Wasserstoff gefüllt werden, bei bewölktem Wetter war die Ballonspitze vor dem Start oft bereits in den unteren Wolkenschichten über dem Startplatz nicht mehr zu erkennen.

GRAW Radiosonde DFM-06Durch die zunehmende Automatisierung vieler Aufgaben, früher mußte z.B. für eine einfache Radiosondierung noch ein Radarsystem manuell nachgeführt werden, wozu allein bereits zwei Bediener benötigt wurden, ist die Station heute während des 12h Schichtdienstes nur noch mit einer Person besetzt.

Interessanterweise entdeckte Meinhard Günther, DL2MF dann im Monitorraum, in dem wir den Flug beobachteten, noch ein weiteres Radiosondenmodell an der Wand. Es handelte sich um die, bei anderen Diensten eingesetzte Radiosonde DFM-06 des deutschen Herstellers GRAW Nürnberg. So konnte er den interessierten OM's im direkten Vergleich mit der VAISALA RS-92 die Unterschiede im Aufbau und der Funktion erläutern.

Nachdem wir uns alle an den Monitoren davon überzeugt hatten, das "unsere" Radiosonde noch fleißig ihre Daten sendet nutzten wir die Gelegenheit, um Herrn Rätz noch einige allgemeine Fragen zur Entstehung, Beobachtung und Auswertung des Wetters zu stellen.

Ein interessanter Tag geht zu EndeInzwischen war es bereits weit nach 14 Uhr, die gestartete Radiosonde hatte nun ihre Gipfelhöhe langsam erreicht.

Wir bedankten uns bei Herrn Rätz für den interessanten Einblick in seine Arbeit und die sehr detaillierten Erläuterungen dieser vielfältigen Tätigkeit.

Den Wetterbericht am Abend haben sicher einige von uns an diesem Tag mit ganz anderen Augen gesehen und jeder wußte nun, "woher eigentlich unser Wetter kommt".

Zum Abschluß dieses interessanten Tages kehrten dann einige der Teilnehmer noch zu einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück frischen Obstkuchen auf der Rückfahrt in einem gemütlichen Lokal am Golfplatz in Celle ein, bevor es nach Hause ging.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei der Bundeswehr AGeoBw Euskirchen, der Wetterwarte Bergen/Hasselhorst, Herrn Rätz und den Kameraden der TradGem/RK Hankensbüttel die uns diesen Besuch ermöglicht haben.

Verfasser: Meinhard Günther, DL2MF - Alle Rechte vorbehalten ! Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.
Bilder: Stefan Goldbach, DL1STC, Meinhard Günther, DL2MF, Thorsten Wulff, DL9OBM

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